Geschichte des Obstanbaus in Ortenburg
Was ist eigentlich "Streuobst"?
Woher der Begriff kommt, ist nicht eindeutig geklärt. Vermutlich meint er den
"verstreuten" Anbau von Obstbäumen: Apfel- Zwetschgen- und Birnbäume stehen
gemischt nebeneinander, und es sind verschiedene Sorten derselben Art im selben Bestand zu
finden. Die Bäume stehen in relativ großem Abstand von etwa zehn Metern. Die Wiese unter
den Bäumen wird für die Viehhaltung genutzt, deshalb müssen hochstämmige Bäume
gepflanzt werden, weil die Weidetiere sonst die Zweige verbeißen und das Obst frühzeitig
abfressen würden.
Im Gegensatz zum Streuobstanbau sind in Obstplantagen die Bäume niedrig- stämmig. Hier
stehen die Bäume dicht an dicht in einer Reihe, und es wird stets nur eine Sorte einer
einzigen Art angepflanzt.
Ortenburg war vor rund 900 Jahren, also im frühen Mittelalter, eine einfluss- reiche
Grafschaft. Ihr Machtbereich dehnte sich im Hochmittelalter bis über weite Teile Ober-
und Niederbayerns, der Oberpfalz und der österreichischen Alpen aus. So gehörten die
Grafen zu Ortenburg zu den angesehendsten Geschlechtern des bayerischen Hochadels und
durften sich sogar mit den Wittelsbacher messen.
Graf Joachim zu Ortenburg, der es bis zum kaiserlichen Rat und Beigeordneten des
Bayerischen Herzogs brachte, setzte in seiner eigenen, reichsfreien Grafschaft 1563 die
Reformation durch. Ohne es zu ahnen, legte er dadurch den Grundstein für die später so
bedeutsame Ortenburger Obstkultur.
Denn im Oktober 1624 wurden die österreichischen Protestanten wegen ihres Glaubens
vertrieben. Hunderte von ihnen mussten aus Südtirol fliehen und fanden erst in der
evangelischen Enklave Ortenburg eine dauerhafte Zuflucht. Die Immigranten waren bereits
mit dem Obstbau so tief verwurzelt, dass sie auf ihre Flucht eine Anzahl junger
Bäume mit genommen hatten. In ihrer neuen Heimat legten sie daraus den ersten Obsthain an
und prägten dadurch die Ortsnamen Vorder- und Hinterhainberg.
So hervorragend wurde der Obstbau in Ortenburg, dass sein Ruf bis über die bayerischen
Landesgrenzen hinaus reichte und sich Ortenburger Most zum wichtigen, überregionalen
Exportprodukt entwickelte. Im 18. Jh. sorgte sogar ein hoheitliches Edikt für die
fortlaufende "Pflanzung u. Erzügelung" (Aufzucht) neuer Obstbäume.
"Unterthannen", die dagegen verstießen wurden mit "behöriger Straffe
besehn".
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